Transport der Zukunft | Container – und was nun?

Von der Vision zur Realität

„Wer sich selbst nicht bewegt, kann auch nichts bewegen“ besagt ein Zitat. Und so stellt sich natürlich die Frage, ob sich mit dem Containertransport in seiner heutigen Form tatsächlich die ultimative und letztendliche Lösung für den globalen Transportbedarf entwickelt hat. Ganz sicher nicht! Auch wenn der Container mit Sicherheit nicht verschwindet, so ist doch klar, dass das System immer dem Wandel unterworfen sein wird.

 

Steigende Transportmengen haben in den vergangenen Jahren immer mehr und größere Schiffe hervorgebracht. Damit einhergehend stieg der Bedarf nach leistungsfähiger Infrastruktur. Diese Entwicklung stellt uns heute vor neue Herausforderungen: Der Klimawandel erfordert gerade im Verkehrs- und Transportgewerbe neue umweltfreundliche Lösungen. Die Schadstoffbelastungen und Lärmemissionen müssen reduziert werden. Außerdem verknappt die zunehmende Urbanisierung den Platz für Verkehrsinfrastruktur, und das bei steigender Transportnachfrage.

 

Weltweit arbeiten schlaue Köpfe an Lösungen. Sie reichen von ganz neuen Transportsystemen über Digitalisierungskonzepte bis hin zu innovativen Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Bleibt abzuwarten, welche Ideen sich durchsetzen werden und welche eine Fiktion bleiben. Eins sollte man jedoch nicht tun: Die Visionen von vornherein belächeln oder gar abtun. Das hat schon bei Malcom McLean nicht funktioniert, als er seine Container-Idee gegen alle Widerstände verwirklichte.

Hyperloop

Ein besonders innovativer Zukunftsvision ist das Hochgeschwindigkeitsprojekt Hyperloop, hinter dem sich eine Idee von Tesla-Gründer Elon Musk verbirgt: Menschen und Waren sollen mit bis zu 1.220 Stundenkilometern mit Luftdruck durch einen Tunnel von A nach B transportiert werden. Hört sich an wie Science Fiction, ist aber schon einen Schritt weiter: Eine Teststrecke, wo bereits erfolgreiche Tests durchgeführt wurden, besteht in Nevada.

www.hyperloop-one.com

Hyperloop, Foto: Hyperloop One

3D-Druck

Der 3D-Druck ist eine neue Technologie, die schon sehr weit fortgeschritten ist und in der Industrie bereits Anwendung findet. Hier geht es nicht, um die Entwicklung eines neuen Transportsystems, vielmehr wäre die Vermeidung von Transportleistungen eine Konsequenz von 3D-Druck. Bei 3D-Druck handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Material Schicht für Schicht aufgetragen und so dreidimensionale Gegenstände erzeugt werden. Ein Beispiel: Benötigt eine Maschine in Fernost ein Ersatzteil, dann müsste dieses nicht mehr vom Hersteller aus Europa geliefert werden. Er würde einfach die 3D-Daten übertragen, und das Ersatzteil könnte direkt in Fernost „gedruckt“ werden. Einige Ökonomen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dadurch das weltweite Transportvolumen deutlich reduzieren lassen würde. Bleibt abzuwarten, wie sich diese Technologie entwickelt, denn momentan gilt sie noch als sehr hochpreisig. Auch Hamburg engagiert sich im 3D-Druck und möchte führend in diesem Bereich werden. So wird unter anderem die Ansiedlung eines 3D-Druck-Zentrums im Hamburger Hafen diskutiert.

Frisch aus dem 3D-Drucker, Foto: pixabay

China-Züge

China ist der größte Handelspartner des Hamburger Hafens. Die Hansestadt gilt als das Tor nach Europa für chinesische Waren. Allein 2016 wurden in Deutschlands größtem Seehafen 2,6 Mio. TEU im China-Verkehr umgeschlagen. Fast jeder dritte Container, der im Hamburger Hafen über die Kaikante geht, hat sein Ziel oder seinen Ursprung im Reich der Mitte. Seit Jahrhunderten wird der Verkehr zwischen dem Fernen Osten und Europa durch die Schifffahrt dominiert. Das wird sich auch nicht ändern, aber China arbeitet daran, auf dem Landweg eine Alternative zu entwickeln. Die Bahn soll auf der Neuen Seidenstraße als ökonomische und politische Brücke zwischen Europa und China dienen. Und Hamburg spielt bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle und will sich auch zukünftig noch stärker als Eisenbahnknoten für China-Verkehre positionieren. Als Europas Bahnhafen Nummer 1 und mit der weitreichenden China-Expertise im Rücken ist es nur konsequent, dass Hamburg auch bei der Neuen Seidenstraße eine Schlüsselrolle einnimmt. Schon heute werden zwischen China und der Hansestadt wöchentlich 177 Containerzugverbindungen angeboten. Und ständig kommen neue Services, verbesserte Bahnprodukte, zusätzliche Destinationen und damit auch zusätzliche Ladungsvolumen hinzu.

China-Zug, Foto: Deutsche Bahn AG - Michael Rauhe

Autonome Schiffe

Wer glaubt, dass autonomes Fahren nur im Straßenverkehr ein Thema ist, der irrt. Vor allem in Norwegen und Japan, aber auch in Hamburg an der Elbe wird dahingehend geforscht und teilweise auch schon getestet. In Norwegen laufen beispielsweise erste Versuche mit einer Fähre, die vom Computer kontrolliert wird. An- und Ablegen muss noch der Mensch machen, aber wenn der Hafen erstmal hinter einem liegt, läuft die Fahrt fast automatisch. Dazu zählt es zu beschleunigen, die Route zu finden und die Geschwindigkeit zu halten. Automatik spart Zeit, Antriebsenergie, Betriebskosten und macht Schiffe sicherer. Fast 90 Prozent aller Unfälle werden durch menschliches Versagen verursacht. Schon ab 2020 könnten erste Schiffe zumindest auf Teilstrecken selbstständig fahren. Bis sie jedoch komplett autonom fahren können, werden wohl noch 15 oder mehr Jahre vergehen. Schwierig sind die viel befahrenen Strecken in den Häfen und aus den Häfen raus. Denkbar wäre, dass für diese Passagen eine Lotsencrew zusteigt oder Menschen das Schiff von Land aus fernsteuern. Wann auch immer sie kommen, eines ist unbestritten: Autonome Schiffe werden die Schifffahrt komplett verändern.

DNV GL entwickelt an einem autonomen und elektrischen Schiffsentwurf, Foto: DNV-GL

Alternative Energieversorgung

Das Containerschiff ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch gesehen sehr sinnvoll. Kaum ein anderes Transportmittel kann so viel Ladung bei einem vergleichbaren Energieaufwand befördern. Trotzdem steht die Schifffahrt genauso wie der Bahn- und Straßenverkehr in der Pflicht, den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Gerade in den Häfen wird mit Nachdruck daran gearbeitet, umweltfreundliche Alternativen bei der Energieversorgung anzubieten, damit die Schiffe am Liegeplatz ihre Dieselaggregate abstellen können. Eine davon ist Flüssiggas, im Fachjargon Liquid Natural Gas (LNG) genannt. Im Hamburger Hafen gibt es bereits eine LNG-Barge, die wie eine Art schwimmendes Kraftwerk längsseits am Liegeplatz geht und das Seeschiff mit umweltfreundlichem Strom versorgen kann. Es geht aber noch einen Schritt weiter: CMA CGM, eine der größten Containerreederei der Welt, will seine zukünftigen Großcontainerschiffe mit LNG-Antrieb ausstatten. So können diese nicht nur im Hafen, sondern auch im Seebetrieb mit umweltfreundlichem Flüssiggas angetrieben werden.

www.lng-hybrid.com

LNG Barge, Foto: Becker Marine Systems

Digitalisierung

Die Digitalisierung geht uns alle an und wird viele unserer Lebensbereiche grundlegend verändern – in privaten Haushalten, in der Gesundheitsversorgung, in der Industrie, im Finanzsektor und eben auch in der Transport- und Logistikbranche. Digitalisierung bezeichnet die Veränderungen und Optimierung von Prozessen durch die zunehmende Nutzung digitaler Geräte. In der Schifffahrt und im Hamburger Hafen wird diese Entwicklung mit Nachdruck vorangetrieben. Ein Beispiel dafür ist die smartPort-Initiative der Hamburg Port Authority. Sie gewährleistet durch modernste digitale Intelligenz einen reibungslosen und effizienten Hafenbetrieb. Die eingesetzten Steuerungssysteme sind weltweit führend, das Zusammenspiel von Sensortechnik, Analyse-, Prognose- und Informationssystemen sorgte für enorme Effizienzsteigerungen. Das ist nicht nur gut fürs Geschäft, es schont auch die Umwelt. www.hamburg-port-authority.de

Leitstand HHLA Container Terminal Altenwerder, Foto: HHLA - Thies Rätzke

Terminaltechnik

Die Hamburger Containerterminals zählen zu den modernsten der Welt. Technische Innovationen und automatisierte Arbeitsabläufe sorgen für eine hohe Produktivität und kurze Liegezeiten für die Schiffe. Besonders wichtig, ist die optimale Ausnutzung der Flächenkapazitäten, weil diese begrenzt sind und in einem Stadthafen wie Hamburg nicht einfach ausgeweitet werden können. Ein Beispiel sind die neuen Containerlager am HHLA Container Terminal Burchardkai. Wo früher die Container in langen Reihen gelagert wurden, werden sie heute in automatisierten Blocklagern extrem kompakt und platzsparend gestapelt. Die Lagerkapazität hat sich dadurch nahezu verdoppelt. Weitere Vorteile: Die Portalkräne, die die Lagerblöcke überspannen, können im Dauerbetrieb arbeiten, und wenn sie wenig zu tun haben, bewegen sie einzelne Boxen auf eine von der IT errechnete optimierte Position. So wird der spätere Abholvorgang verkürzt. Durch den vollautomatischen Betrieb der Anklage sinkt zudem die Unfallgefahr.

Automatisiertes Blocklager, Foto: HHLA - Thies Rätzke

ITS-Kongress

Die Hansestadt Hamburg wird 2021 den Weltkongress für Intelligente Verkehrssysteme ITS ausrichten. Der ITS-Kongress ist die weltgrößte Fachveranstaltung seiner Art, bei dem alle relevanten Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Politik zusammenkommen. Rund 10.000 Experten werden vom 11. bis 15. Oktober 2021 in Hamburg erwartet. Der Hamburger Senat arbeitet mit Hochdruck daran, Hamburg zu Deutschlands Modellstadt für intelligente Mobilität und Logistik zu formen. In der Hansestadt laufen deshalb zahlreiche Projekten an, deren Ergebnisse beim ITS-Kongress präsentiert werden sollen.

Foto: www.hamburg.de/its

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