Visionäre | Die Väter der Hamburger Container-Story

Malcom McLean – Der Innovative

Malcolm McLean, Foto:  A. P. Möller-Maersk

Er wurde ausgelacht, verhöhnt und bekämpft, ...

Malcom McLean

... doch allen Widerständen zum Trotz hat der US-Amerikaner Malcom McLean seine Erfindung zum Welterfolg geführt. Es war ein Geniestreich, als 1956 ein umgebauter Tanker den New Yorker Hafen Richtung Houston verließ. An Bord der „Ideal X“ 58 Blechkisten, die kurz zuvor an Deck gehievt und verzurrt wurden. Sonst dauerte es meist Tage, wenn nicht Wochen, um Frachter Sack für Sack, Palette für Palette, Kiste für Kiste zu beladen und wieder zu löschen. Dieselbe Arbeit war nun in wenigen Stunden erledigt, nur das die Ladung jetzt in den Blechkisten steckte. Durch die Zeitersparnis kostete McLean der Hafenaufenthalt der „Ideal X“ nur 1.600 US-Dollar – 90 Prozent weniger als unter herkömmlichen Bedingungen.

Die Idee, Waren und Güter in Transportboxen zu verladen, hatte McLean schon 20 Jahre zuvor. Fast täglich ärgerte sich der Fuhrunternehmer über die langen Wartezeiten in den Häfen, bis seine Ladung endlich vom Lkw abgeladen war. Warum nicht den ganzen Lkw verladen, oder zumindest den Anhänger? Im Laufe der Zeit entstand daraus die Idee einer standardisierten Transportbox, dem Vorläufer des heutigen Containers. Doch trotz der eindeutigen Kostenersparnisse wollte sich niemand dafür interessieren. Zu groß die Angst der Gewerkschaften und Docker vor dem neuen Transportsystem, zu gering die Bereitschaft von Bahn- und Transportunternehmen die hohen Investitionen zu wagen.

Der umgebaute Tanker „Ideal X“ gilt als das erste Containerschiff.

McLean aber war ein beharrlicher Mann und von seiner Idee überzeugt. Er verkaufte sein Fuhrunternehmen und steckte den Erlös in den Aufbau einer eigenen Reederei, der ersten Containerreederei der Welt. Und so wird die Reise der „Ideal X“, die damals kaum jemand wahrnahm, heute als das gesehen, was sie war: Die Geburtsstunde der Containerschifffahrt. Auch wenn es noch gut zehn Jahre dauerte, bis das erste Containerschiff den europäischen Kontinent und Deutschland erreichte, so war es doch der Auftakt zu einer Revolution des Transportwesens, die die Weltwirtschaft für immer verändert hat.

 

Malcom McLean hat mit seiner Erfindung des Containers eine neue Ära im Güterverkehr eingeläutet und damit auch in Hamburg ganz entscheidend zum Wandel des Hafens beigetragen. Der Container ist heute die treibende Kraft im Hamburger Hafen, sichert Arbeitsplätze, versorgt uns täglich mit Waren und hält den Welthandel am Laufen. 2004 wurde Malcom McLean als Auszeichnung für seine Leistungen in die Logistik Hall of Fame aufgenommen.

Helmuth Kern – Der Mutige

„Diese Kiste kommt mir nicht in meinen Hafen.“ ...

Helmuth Kern

... So oder so ähnlich soll es der frühere Hamburger Hafensenator Ernst Plate gesagt haben. Das Zitat zeigt, wie in den 60er Jahren die Stimmung in der Hansestadt gegenüber dem neuen Transportsystem Container war. Der Senat und ein überwiegender Teil der Hafenwirtschaft hielten nichts von der genormten Box. Zum Glück gab es auch andere, Menschen wie Helmuth Kern, ein Denker und Lenker, der das Potenzial des Containers frühzeitig erkannte. Er hatte die Sorge, Hamburg könne eine wichtige Entwicklung verschlafen.

Helmuth Kern, Foto: HHLA

Kern war 1966 gerade erst Senator für Wirtschaft und Verkehr geworden, da überraschte er mit einem zukunftsweisenden, zur damaligen Zeit aber gewagten Vorschlag: den Ausbau des Burchardkais zum Containerterminal; Kostenpunkt: 35 Millionen Mark. „Als ich das erste Mal im New Yorker Hafen Port Elizabeth den Containerumschlag sah, war mir sofort klar: Diese Transporttechnik wird die Welt revolutionieren“, sagte er später in einem Interview. Hamburgs Erster Bürgermeister Weichmann war skeptisch: Es gäbe in Hamburg keine Containerschiffe, keine Container und auch keinen Reedereivertrag. Dafür wollte er keine 35 Millionen Mark locker machen. Aber Kern blieb hartnäckig: „Wenn wir so lange warten, bis die Containerschiffe die Elbe hinaufkommen, ist es zu spät. Wir müssen jetzt beginnen“, entgegnete Senator Kern – und behielt recht.

 

Die „American Lancer“ war das erste Vollcontainerschiff im Hamburger Hafen

Als am 31. Mai 1968 die „American Lancer“ am Burchardkai festmachte stand auch Helmuth Kern an der Kaimauer, um das erste Containerschiff im Hamburger Hafen zu begrüßen. Trotzdem gab es weiterhin viele Skeptiker. Man hatte den kriegszerstörten Hafen gerade erst wieder aufgebaut, mit vielen spitzen Kaizungen und kleinen Schuppen. Der moderne Containerverkehr dagegen benötigte Fläche statt vieler Kaimauern, außerdem eine innovative Anbindung an das Schienen- und Straßennetz. Kern wusste: „Es hatte keinen Sinn, die Augen vor dieser Herausforderung zu verschließen. Wir mussten die Hafenstruktur entsprechend ändern.“

 

Die Mühe eines zweiten Umbaus lohnte sich für den Hamburger Hafen, schon bald spielte er wieder in der Weltspitze mit. Heute verfügt der Standort über vier hochmoderne und leistungsstarke Containerterminals, die jährlich rund 9 Millionen TEU umschlagen. Kern hat dafür den Grundstein gelegt und noch viel mehr: In seine Amtszeit fallen weitere große Infrastrukturprojekte wie der Bau der Köhlbrandbrücke oder des neuen Elbtunnels. Zudem prägte Kern von 1976 bis 1991 als Vorstandsvorsitzender der städtischen Hamburger Hafen und Lagerhaus AG (heute Hamburger Hafen und Logistik AG, HHLA) die Entwicklung des Hafenstandorts.

 

Hier zeigt sich mal wieder: Aller Anfang ist schwer, und es bedarf Menschen, die den Mut besitzen, den entscheidenden Schritt zu gehen – auch gegen Widerstände. „Hamburg hat Grund, Helmuth Kern dankbar zu sein“, bilanzierte 2005 der mittlerweile verstorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Den Spitznamen Mr. Hafen trug Helmuth Kern zu Recht.

 

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